Der erste Dreh: Leben auf dem Land

Das hier ist der mit Abstand aufwändigste Blogeintrag. Nicht, dass ich mir beim Schreiben besonders Mühe gegeben hätte, aber ich musste eine Viertelstunde lang einen Berg hochlaufen um zum “punto” zu kommen – dem einzigen Punkt an dem es hier Netzempfang gibt.

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Unterschlupf während des Regens

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Heute ist mein letzter Tag in El Lagartillo, einem kleinen Bergdorf mit 100 Einwohnern.

Anders als ich dachte ist es heute keine Kommune mehr, vor 15 Jahren wurde das Land hier unter den Familien aufgeteilt.

Hier lebt ein Mann, der Englisch spricht und direkt an Anfang versucht hat mir zu helfen. Mein Spanisch ist noch nicht gut genug um den Menschen hier zu erklären, was genau ich vorhabe. Die Meisten haben sich aber gefreut, wenn ich sie gefilmt habe und eine Familie hat mir ermöglicht in der Schule zu filmen und sie bei der Arbeit zu begleiten.

Am Anfang hatte ich ein Treffen mit den Jungs aus dem Dorf um einen von ihnen auszusuchen, mit dem ich dann die Woche über gearbeitet habe. Dabei war auch wichtig, dass die Familie etwas über die Revolution berichten kann. Der Großvater des Jungen, mit dem ich gedreht habe, wurde vor 30 Jahren von den Contra-Revolutionären erschossen, genauso wie die Schwester des Vaters und 6 andere Menschen aus dem Dorf.

Mich hat es in den Gesprächen sehr überrascht, wie kühl und rational die Menschen damit umgegangen sind. Ein Mann sagte, nach dem Tod seines Vaters wollte er weiter für sein Land kämpfen und ist freiwillig dem Militär beigetreten.

Die meisten Menschen dort sind große Patrioten. In der Schule versammeln sich die Schüler vor dem Unterricht und singen die Nationalhymne, während die Fahne gehisst wird. Danach sagen sie noch den Wahlspruch des sadinistischen Präsidenten, Daniel Ortega auf.

Die Kinder hier wachsen ganz anders auf, als in der Stadt. Es gibt kein Internet und viele Familien haben auch keinen Fernseher. Also klettern die Jungs den ganzen Nachmittag auf Bäume, spielen Fußball, Armdrücken und werfen mit Steinen so lange auf Bienenstöcke, bis sie weglaufen müssen.

Der Zusammenhalt dort schien sehr groß zu sein. Alle haben sehr große Familien, in der letzten Generation war es nicht unüblich 12 Kinder zu haben. Und viele sind so mit diesem Ort so verbunden, dass sie sich nicht vorstellen können, in die Stadt zu emigrieren, auch wenn das Leben dort hart ist.

Dort zu drehen war auch nicht ganz einfach. Ich musste zwei Tage Stromausfall überstehen (Ich habe alle Batterien gekauft, die der Kiosk hatte und meine Kamera damit betrieben) und wir wurden beim Dreh zwei Mal von einem sintflutartigen Regen überrascht, der unseren Weg in einen schlammigen Fluss verwandelt hat.

Ich denke das ich durch mein Projekt den Orten und Menschen viel Näher komme und ich freue mich schon auf die nächsten Drehs.

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3 thoughts on “Der erste Dreh: Leben auf dem Land

  1. Lieber Jakub,

    das Foto mit den zwei Kindern sowie die Frage sind sehr eindrucksvoll. Auch der Bericht über das Leben im Dorf und die Tatsache, dass du den Menschen näher kommst. Ich freue mich auf das kommende Videomaterial!

    LG
    Robert

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