Porträt: Yas

Das bisher längste Interview habe ich mit Yas gedreht: Auf jede Frage hätte sie stundenlang antworten können. Sie ist 12 Jahre alt, geht zur Schule, singt und spielt Blockflöte.

Sie wohnt mit ihren Eltern 6 Geschwistern zusammen in einem kleinen Haus direkt am Wasser. Ihr Vater baut Holzboote und erledigt Kurierfahrten, ihre Mutter arbeitet in einer Fritanga.

Sie möchte Ärztin werden. Ihre Eltern unterstützen sie so gut sie können. Sie seinen arme Leute, sagt mir ihre Mutter. Sie selbst musste früh die Schule abbrechen, weil sie schwanger wurde. Ihr Ehemann wuchs auf dem Land auf und konnte nicht einmal eine Grundschule besuchen. Sie wirken müde, aber doch hoffnungsvoll.

Yas fühlt sich wohl in ihrer Familie, sagt sie mir. Sie würden immer über alles reden, anders als andere Familien.

In der Region wohnen Menschen vieler Ethnien, Indigene Völker, Mestizos und Schwarze, vor allem aus Jamaika. Ihr Haus steht mitten in einem Viertel, in dem sonst nur Schwarze wohnen. Mit den verschiedenen Kulturen haben sie aber kein Problem: „Einige Freunde sagen, die Schwarzen wären kriminell“, sagt mir der Vater, „manche sicher, aber oft sind die Mestizos schlimmer. Ich spreche kein Englisch, aber die meisten von ihnen sprechen aber auch Spanisch, also können wir miteinander reden.“

Yas hat auch einige Freunde, die Kreol-Englisch sprechen und möchte es jetzt auch lernen. „Eigentlich sprechen hier fast alle Spanisch und Kreol-Englisch. Der Unterricht in der Schule ist auch immer auf Spanisch. Nur manche ältere Leute haben nie Spanisch gelernt.

Yas und ihre Familie waren sehr offen und ich hatte zum ersten Mal bei einem Dreh das Gefühl sehr schnell in das Leben von Fremden geworfen zu werden. Nach drei Tagen habe ich wahrscheinlich ähnlich viel erzählt bekommen wie enge Freunde. Das ist eine schwierige Situation – denn zum einen ist es für mich unentbehrlich, den Menschen, die ich porträtiere, nahe zu kommen. Zum anderen bin ich dafür verantwortlich, wie ich sie hinterher darstelle.

Einen kleinen Einblick in das Ergebnis dieser Dreharbeiten werde ich diese Woche in einem Trailer geben.

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