Zum ersten Mal Doku

Filme drehen hieß für mich bis jetzt immer Fiction zu drehen. Der Prozess war klar: aus einer Idee wird ein Drehbuch, dann werden Schauspieler und Locations gesucht. Der Stil wird im Team besprochen, mit dem Kameramann, mit der Maske; man bespricht Rollen mit Schauspielern und schließlich wird der Film nach diesem Plan umgesetzt.

Sicher kann im Laufe der Produktion hier und dort etwas verändert werden, aber die Story steht von Anfang an fest. Diese Story kann man im Vorfeld besprechen, verbessern, verwerfen und neu anfangen.

Jetzt ist alles ganz anders: Als ich herkam wusste ich nicht einmal das Thema meines Films. Ich konnte es nicht wissen, ich wusste schließlich nichts über das Land. Das meiste was ich geplant habe kam dann doch ganz anders. Die Richtung, in die sich eine Doku bewegt, dreht sich manchmal wie ein Fähnchen im Wind. Sie hängt vom Zufall ab, von den Menschen ab, denen ich begegne, und auch von mir selbst; ich selbst und meine subjektive Sicht auf die Dinge wird auch zum Teil der Geschichte. Ich denke mir jetzt keine Story mehr aus, ich erlebe eine Story, die ich nur noch in die Richtige Form kneten kann. Während ich früher meinen Protagonisten die Worte in den Mund legen konnte sprechen sie jetzt, was ihnen in den Sinn kommt. Diese plötzliche Ohnmacht hat mir am Anfang Angst gemacht. Aber ich habe mit der Zeit gelernt, dass es die einzige Möglichkeit ist ohne einen festen Plan zu drehen, mir nur die Umrisse des fertigen Films vorzustellen und meine Protagonisten den Rest ausfüllen zu lassen.

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